Bild: Die Blue Coacktail Bar am Buskers 2024. Bild: Blaues Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg.
In einer Zeit, in der Alkohol fast selbstverständlich zu Feiern und gesellschaftlichen Anlässen gehörte, wagte die Blue Cocktail Bar 1995 einen Schritt, der damals als ungewöhnlich galt: Sie setzte ausschliesslich auf alkoholfreie Drinks. Die Idee war einfach – Genuss, Lebensfreude und Gemeinschaft zu fördern, ohne dabei auf alkoholische Getränke angewiesen zu sein. Heute hat sich dieses Konzept nicht nur bewährt, sondern eine Vorreiterrolle in der Suchtprävention eingenommen.
Eine Pionierin in der Prävention
Die Zeiten haben sich seit den 90er-Jahren klar geändert. So hat die WHO von den lange als unbedenklich geltenden Standard-Mengen für alkoholische Getränke Abstand genommen und im Januar 2023 herausgegeben, dass kein Alkoholkonsum sicher ist und auch geringe Mengen schädlich sein können.
Die Blue Cocktail Bar war im Verständnis dieser Tatsache von Anfang an mehr als nur ein Ort für innovative Getränke. Sie wurde als mobiles Projekt des Blauen Kreuzes ins Leben gerufen, um Menschen für die Risiken von Alkoholmissbrauch zu sensibilisieren und Alternativen aufzuzeigen. Die bunten, kreativen Mocktails beweisen, dass alkoholfreie Drinks alles andere als langweilig sein müssen und dass Genuss und Achtsamkeit Hand in Hand gehen können.
Die Bar hat es geschafft, einen nachhaltigen Wandel in der Wahrnehmung alkoholfreier Alternativen zu bewirken. Besonders erfreulich ist, dass der rückläufige Alkoholkonsum bei der Bevölkerung die kontinuierlichen Bemühungen der Blue Cocktail Bar bestätigen. Durch ihre Präsenz, ihre kreative Ansprache und das Anbieten attraktiver Alternativen hat sie massgeblich dazu beigetragen, dass ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol heute stärker im Fokus steht.
Ein Ort der Begegnung und Inspiration
Die Blue Cocktail Bar ist heute ein fester Bestandteil zahlreicher Veranstaltungen. Sie steht für mehr als nur köstliche Erfrischungen: Sie ist ein Symbol für Gemeinschaft und eine Plattform, um ins Gespräch zu kommen. Dabei erreicht die Bar Menschen jeden Alters, von Jugendlichen bis zu Erwachsenen, und macht deutlich, dass ein gesunder Lebensstil für alle zugänglich ist. Mit ihrer Arbeit leistet sie einen wichtigen Beitrag, nämlich den bewussten Umgang mit Genussmitteln weiter zu fördern.
Die Blue Cocktail Bar an der BEA! 25.4. – 3.5. 2026
Die Blue Cocktail Bar an der BEA! 25.4. – 3.5. 2026
Tilidin gehört gerade zu den meistdiskutierten Drogen und findet immer mehr Einzug in den Alltag der Jugendlichen. Dabei gibt es opioidhaltige Schmerzmittel – zu welchen Tilidin gehört – schon seit geraumer Zeit. Was diese Medikamente bewirken können und wie sich der Konsum in den letzten Jahren entwickelt hat, versuchen wir in diesem Beitrag zu beleuchten.
Bild: Candace Mathers auf Unsplash
Warum dieses Thema aktuell ist
In den letzten Jahren nahmen die Verschreibungen von opioidhaltigen Schmerzmitteln in der Schweiz massiv zu. Ähnliche Tendenzen können in ganz Europa festgestellt werden. Zwischen 2006 und 2013 haben sich laut Auswertungen von Helsana-Krankenkassendaten die Verschreibungen verdoppelt. 2016 haben 1,8 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren fast täglich ein starkes Schmerzmittel zu sich genommen, wobei betont werden muss, dass eine kleine Gruppe der Gesellschaft für den Grossteil des Konsums verantwortlich ist. Dazu gehören u.a. ältere Menschen, welche im Durchschnitt einen besonders hohen Medikamentenbedarf haben und damit grössere Gefahr laufen, von diesen abhängig zu werden 1.
Blickt man über den Atlantik, stellt man einen besonders problematischen Konsum von Opioiden fest. In den vergangenen 20 Jahren liess sich in den USA ein 14-facher Anstieg der Verschreibung starker Opioide verzeichnen 2. Bei der Verschreibung von Opioiden pro Kopf stehen die USA an der Spitze. Die Schweiz hingegen belegt Rang 9 der OECD-Länder (https://www.oecd.org/health/opioids.htm). Amerikanische Studien zeigten, dass 8-12% der Konsumierenden abhängig wurden und viele davon sich an den Schwarzmarkt wandten, um auf Heroin oder Fentanyl umzustiegen. Im Jahr 2017 starben in den USA 47’600 Menschen an Opioid-Überdosen 1.
In den letzten Jahren erfuhr der Konsum von Opioiden in Deutschland ebenfalls einen drastischen Anstieg. Laut Statistiken der gesetzlichen Krankenkassen haben sich die Verschreibungen von Tilidin in Deutschland seit 2010 mehr als verdoppelt. Zwischen 2018 und 2020 sind die Verschreibungen von Tilidin bei 15- bis 20-jährigen gar um das 30-fache angestiegen. Erklärungsversuche lassen sich in den Lebenswelten der Jugendlichen finden. So wird der Konsum von Tilidin in gewissen medialen Räumen (z. B. Instagram, Snapchat, Tiktok) zur Schau gestellt und unter den Peers zelebriert. Zudem fand Tilidin zunehmend Einzug in die Musikszene des deutschen Raps. Bereits 2008 veröffentlichte Bushido Songs, die den Konsum des Medikaments Tilidin als Droge glorifizieren. Heute nehmen viele grosse Namen der Szene (u.a. Capital Bra, Samra, Bonez MC, Gzuz, AK Ausserkontrolle) den Gebrauch von Tilidin in ihre Texte auf. Allein Capital Bra kommt auf 16 Songs, in welchen über Tilidin gerappt wird. Die meisten dieser Songs stammen aus den letzten zwei Jahren 3. Auch wenn hier kein kausaler Zusammenhang bewiesen werden kann, besitzen die Influencer der heutigen Zeit vor allem im Zusammenhang mit den sozialen Medien eine Modellrolle, welche die Lebenswelt der Jugend entscheidend beeinflussen kann.
Tilidin (chemischer Name: Tilidini hydrochloridum) ist ein schmerzlindernder Wirkstoff aus der Gruppe der Opioide für die Behandlung mittelstarker bis starker Schmerzen 4. In der Schweiz ist der Wirkstoff als Lösung in den Valoron®-Tropfen der Firma Pfizer AG vorhanden und seit 1975 zugelassen 5. Tropfenlösungen wirken besonders rasch, stark und kurzfristig und können im Vergleich zu Produkten mit verzögerter Aufnahme schneller zu einer Abhängigkeit führen, daher sollten diese als Reservemedikation für Schmerzspitzen vorbehalten sein 2. Im Gegensatz zur Schweiz wird Tilidin in Deutschland stets mit dem Opioid-Antagonisten – d.h. mit einer Substanz, welche Opioidwirkungen dadurch verhindert, indem sie am gleichen Rezeptor bindet und diesen blockiert – Naloxon kombiniert, um Missbräuche zu verhindern. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Schwindel, Benommenheit, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Schwitzen und eine Atemdepression bei hoher Dosis. Wie alle Opioide kann auch Tilidin als entspannendes und psychoaktives Rauschmittel missbraucht werden 4.
Opioide sind wirksam und bei kundiger Anwendung (welche sowohl einen informierten Arzt als auch einen informierten Patienten bedingen) halten sich die Gefahren in Grenzen, solange man sie indikationsgerecht, gezielt, wohldosiert und gemäss geltenden Therapierichtlinien einsetzt 2.
Wenn Sie selbst von einer Medikamentensucht betroffen sind oder jemanden damit kennen, können folgende Anlaufstellen Auskunft und Beratung bieten (nicht abschliessend):
Vor den zahlreichen Geschäftsessen, Weihnachtsfesten und Silvesterpartys ist es hilfreich und sinnvoll, sich diese moderne Kniggeregel vor Augen zu führen.
Wer mit Mineralwasser, Orangensaft oder Cola anstossen will, braucht sich von Sekttrinkenden nicht zurückweisen zu lassen. Ein Zuprosten mit alkoholfreien Getränken ist kein Stilbruch mehr! Alkoholfreie Getränke gelten heute als gleichberechtigt, damit niemand ausgeschlossen werden muss, nur weil er oder sie keinen Alkohol trinkt.
Betriebe stehen in der Verantwortung, insbesondere gegenüber ihren Lernenden und den Fahrzeuglenkenden. Kein Betrieb möchte provozieren, dass seine Angestellten nach dem Weihnachtsessen auf dem Nachhauseweg infolge Trunkenheit verunfallen oder Lernende mit einer Alkoholvergiftung hospitalisiert werden müssen. Es ist deshalb empfehlenswert, sich schon vor dem Anlass Gedanken über den Alkoholkonsum zu machen und dementsprechend Massnahmen zu ergreifen.
Unser Weihnachtswunsch für die bevorstehenden Betriebsfeiern lautet:
Sorgen Sie dafür, dass auch nichtalkoholische Getränke in einem schönen Glas mit Stiel serviert werden. Sie zeigen auf diese Weise Wertschätzung Schwangeren, Fahrzeuglenkenden und Lernenden gegenüber
Offerieren Sie ein attraktives und breites alkoholfreies Angebot an Getränken. Als interessante Alternative bieten sich alkoholfreie Cocktails an. Rezepte finden Sie unter www.bluecocktailbar.ch
Klären Sie die Belegschaft über die Jugendschutzbestimmungen auf. Das heisst: keinen Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren und keine Spirituosen an Minderjährige
Seien Sie sich als Vorgesetzte ihrer Vorbildfunktion bewusst und konsumieren Sie alkoholische Getränke genussvoll und mit Mass
Klären Sie schon im Voraus mit dem Servicepersonal ab, dass an offensichtlich betrunkene Personen kein weiterer Alkohol mehr ausgeschenkt wird.
Es gelten folgende gesetzlichen Bestimmungen:
Gastgewerbegesetz (GGG) Art. 29 Alkoholabgabeverbot
1 Verboten sind die Abgabe und der Verkauf
a alkoholischer Getränke an Jugendliche unter 16 Jahren sowie an volksschulpflichtige Schülerinnen und Schüler,
b gebrannter alkoholischer Getränke an Jugendliche unter 18 Jahren,
c alkoholischer Getränke an Betrunkene und
d alkoholischer Getränke mittels Automaten, die öffentlich zugänglich sind.